«Blochs tendierten zu Cholesterin»

Oberbuchsiten Von 1662 bis 1867 gehörte die Schälismühle diesem Geschlecht

Peter André Bloch, selbst ein Nachfahre des Schälismüllers Peter Josef Bloch (1722-1799), erzählte in Oberbuchsiten vor dem Verein Freunde der Schälismühle aus seiner Familiengeschichte und nicht zuletzt der 200-jährigen Zeitspanne, in der die bedeutende Schälismühle in Blochschem Besitz war.

Markus Nünlist

Mehr als 200 Jahre lang, nämlich von 1662 bis 1887, befand sich die bedeutungsvolle Schälismühle in Oberbuchsiten im Besitz der Familie Bloch. Der Literaturwissenschaftler und Publizist Peter André Bloch, unter anderem Präsident der Stiftung Schloss Wartenfels und Herausgeber der «Oltner Neujahrsblätter», berichtete kürzlich vor den interessierten Mitgliedern des Vereins Freunde der Schälismühle (siehe Text unten) sowie zahlreichen ortsansässigen und angereisten Verwandten über diese familiengeschichtlich relevante Zeitperiode. Der Referent ist Oberbuchsiter Bürger und ein direkter Nachkomme von Peter Josef Bloch, der von 1750 bis zu seinem Tod Müller auf der damaligen «Tschällismühle» war.

Nur neun Jahre nach der (ungerechtfertigten) Hinrichtung des Untervogtes und Bauernführers Adam Zeltner 1653 kaufte Hans Bloch, Inhaber des Lehens Alt Bechburg, für seinen Sohn Urs die Schälismühle für 13’500 Gulden inklusive Land. Da die Schälismühle eine Zwingmühle war, das heisst die umliegenden Bauern durften nur dort mahlen, war der Posten des Schälismüllers lukrativ. Viel Historisches wurde durch besagten Peter Joseph Bloch überliefert, der 1744 eine kleine Chronik mit Geburtenbüchlein zum Blochschen Geschlecht anlegte und detailliert nachführte. Nachdem durch eine Neuordnung der Mühlen der Konkurrenzdruck wuchs, ging die Ära Bloch 1867 mit dem Konkurs von Johann Paul Fidel Bloch zu Ende.

Besitzer der Alt Bechburg
Nebst dem Schälismüller-Amt hatten die Blochs im Laufe der Jahrhunderte auch immer wieder andere wichtige Positionen inne. So waren sie zum Beispiel zu Beginn des 17. Jahrhunderts Besitzer des Schlosses Alt Bechburg ob Holderbank. In klerikalen Kreisen brachten es mehrere Familienmitglieder zu Abtes-Würden. Peter André Bloch bedauerte jedoch, dass seinem Geschlecht der Zugang zum weltlichen Priestertum stets verwehrt blieb, da die Blochs keine «regimentsfähige Familie» waren. In die weitere Aufzählung reihten sich auch Funktionen wie Gemeindeschreiber, Buchhalter, Lehrer, Träger des Solothurnischen Ehrenmantels und anderes mehr ein.

Stammbaum als Lebensversicherung Peter André Bloch konnte sich in seiner Ahnenforschung hauptsächlich auf die Vorarbeiten seines Grossvaters Othmar (1872-1946) stützen. Dieser begann die Blochsche Familiengeschichte detailliert zu erforschen. Nachdenklich stimmte die interessierten Zuhörer allerdings der Ursprung seines Bestrebens. Ein Basler Arzt fragte Othmar Bloch nämlich anlässlich einer Behandlung: «Sind sie nicht jüdisch, Herr Bloch?» Im damals im Vorkriegs-Deutschland bereits herrschenden antisemitischen Klima erhielt diese Frage eine ungewohnt existentielle Bedeutung. Der in der Folge entstandene Stammbaum des Bloch’schen Geschlechtes von Oberbuchsiten durch Othmar Bloch im Jahre 1914 sollte deshalb vor allem dokumentieren, dass die Gäuer Bloch seit jeher katholischen Glaubens waren.
Des Referenten Vater Charles Bloch (1908-1974) führte den Stammbaum fort. Dass der Rassenwahn bis heute gegenwärtig ist, erfuhr auch Peter André Bloch. Mehr als einmal stiess er in seiner beruflichen Entwicklung auf verschlossene Türen, weil dem Bloch’schen Geschlecht die jüdische Herkunft anhaftet. Wer ernsthaft Karriere anstrebte, war praktisch gezwungen, seinen Namen zu ändern. Als prominentes Beispiel nannte Peter André Bloch die als Flugzeughersteller bekannt gewordene französische Dynastie Dassault, deren Firma einmal «Societé des Avions Marcel Bloch» geheissen hatte.

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